Fragen und Antworten – Anna Ruhe
Für Leserinnen, Leser und Neugierige
In deinen Büchern geht es viel um Düfte, was hat dich dazu inspiriert?
Die Idee dazu kam mir, weil mich Beschreibungen von Düften in Büchern immer fasziniert haben. Gerüche an sich sind ja schon ein kleines bisschen magisch. Schließlich sind sie unsichtbar und somit beeinflussen sie uns längst, bevor wir sie bewusst wahrnehmen. Riechen wir etwas, werden Erinnerungen an Situationen in uns geweckt, in denen wir diesen Geruch das erste Mal wahrgenommen haben. Was wiederum dazu führt, dass ein altes Gefühl in uns aufgeweckt wird. Wir fühlen also längst etwas, bevor unser Verstand es begriffen hat. Außerdem reagiert jeder Mensch anders auf einen Duft. Das fand ich so spannend, dass ich unbedingt mal ein Buch über Düfte und ihre Wirkungen schreiben wollte. Ich wollte Düften eine so wichtige Rolle geben, als wären sie ein eigener Hauptcharakter. Und aus diesem einen Buch sind dann wohl ein paar mehr geworden. Bislang gehen mir die Ideen einfach nicht aus.
Mit welchem Charakter aus deinen Büchern würdest du dich gerne mal treffen und was würdest du mit der Figur erleben wollen?
Am liebsten würde ich mich mit allen meiner Figuren einmal in echt treffen, was für eine verlockende Vorstellung! Im Moment würde ich am liebsten Luzie Alvenstein einmal begegnen und mit ihr die Duftapotheke erkunden. Genauso gern würde ich aber auch mal ein paar Tage mit Emma, Max und Ari (aus „Seeland“) in ihrem U-Boot Bobby durchs Meer schippern.
Wie darf man sich deinen Arbeitsplatz vorstellen?
Ich schreibe an vielen Orten und das immer am Laptop, den ich mitschleppen kann. Manchmal am Küchentisch, auf dem Sofa, im Zug und am allerliebsten an meinem Schreibtisch. Da ich Kinder habe, musste ich lernen dann zu schreiben, wenn ich gerade Zeit dafür hatte. Das kann überall sein, auch beim Warten vor irgendeinem Sportplatz. Das ist leider nicht sehr atmosphärisch, aber es funktioniert. Das Einzige, was ich nicht kann, ist im Café́ schreiben. Leider! Ich bin einfach viel zu schnell ablenkbar.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe relativ spät angefangen, ernsthaft zu schreiben. Natürlich habe ich schon immer gerne für mich geschrieben und auch schon immer viel gelesen, aber es ist mir lange nie in den Sinn gekommen, dass Schriftstellerin ein Beruf für mich sein könnte. Das war erstmal ganz weit weg. Für mich war nämlich immer wichtig, dass ich auf eigenen Beinen stehe und mein eigenes Leben finanzieren kann, deswegen war dieser künstlerische, super unsichere Bereich anfangs schwierig für mich, weil ich diese finanzielle Zuversicht lange nicht hatte. Dann kam es aber so, dass ich mit meinem ersten Kind schwanger war. Kurz davor hatte ich mich als Grafikerin selbstständig gemacht, aber als Schwangere hat mich einfach niemand mehr beauftragt. Und so habe ich in meiner plötzlich ungewollt freien Zeit, angefangen zu schreiben. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich einfach bis heute nicht mehr aufgehört habe. Zum Glück habe ich auch einen Verlag gefunden, der meine Bücher veröffentlichen wollte.
EBooks oder Papierdruck? Und was hältst du von Eselsohren in Büchern?
Am liebsten lese ich in klassischen Büchern, ich mag den Geruch von Papier und Druckerschwärze. Ebooks lese ich auch, aber nicht übermäßig gern. Außerdem sind manche Bücher einfach kleine Kunstwerke, die man gern in der Hand hat.
Ich gestehe, ich mache Eselsohren in manche Bücher – Asche auf mein Haupt. Aber manchmal verliebe ich mich in Sätze so sehr, dass ich sie schnell wiederfinden will.
Was ist der Geruch deiner Kindheit?
Ich bin ja ein Großstadtkind und somit ist der Geruch der U-Bahn ganz präsent, wenn ich zurückdenke. Aber auch der Geruch von frischem Gras, der Wald- und Wassergeruch der Berliner Krumme Lanke im Sommer oder der Erdbeerduft der Kaugummis vom Zeitungskiosk fest in meiner Erinnerung verankert.
Welchen Kindheitstraum hast du dir noch nicht erfüllt?
Ans Meer zu ziehen. Oder mit Delfinen zu tauchen.
Welche Bücher hast du als Kind und Jugendliche gerne gelesen?
Als Kind war Astrid Lindgren meine Heldin und ist bis heute die einzige Person, der ich jemals Fanpost geschrieben habe. Ihre Bücher konnten mich, wenn ich krank war, wieder ein kleines bisschen gesünder machen. Mein absolutes Lieblingsbuch war „Ronja Räubertochter“. Das habe ich immer und immer wieder gelesen. Mittlerweile fallen die Seiten heraus, aber es steht noch in meinem Bücherregal. Aber auch die Bücher von Michael Ende, Otfried Preußler und Elizabeth Goudge habe ich geliebt.
Was macht ein gutes Kinderbuch für dich aus?
Als Kind erscheint einem die Welt noch so viel größer und aufregender. Man sucht seinen Platz darin und ständig erlebt oder tut man Dinge zum ersten Mal. Das ist spannend, manchmal aber auch beängstigend. Ich glaube diesen Mischmasch an Gefühlen sollte ein gutes Kinderbuch bieten, ganz egal ob es realistisch oder phantastisch ist. Und wenn dann beim Lesen der Puls schneller schlägt, man durch die Augen der Protagonisten schauen kann und sich, nachdem man das Buch am Ende zuschlägt ein kleines Stückchen stärker fühlt, dann ist es ganz sicher ein gutes Kinderbuch.
Was würdest du den Kindern mitgeben die später selbst Schreiben wollen? Was ist das Wichtigste?
Sich die Freude am Schreiben nicht nehmen lassen. Und über das Schreiben, was man selbst gern lesen würde. Es gibt ja viele Leute, die sich das Leben als Schriftstellerin sehr romantisch und entspannt vorstellen. Und manchmal ist es das natürlich auch. Trotzdem sitzt man viele Stunden allein vor leeren Seiten, die man füllen muss. Das kann zäh sein, wenn es mal keinen Spaß macht oder einem ein Abgabetermin im Nacken sitzt. Zudem hilft es, sich ein dickes Fell zulegen und sich nicht von Kritik an den eigenen Texten einschüchtern lassen. Irgendjemanden wird es immer geben, dem es nicht gefällt. Daran kann man nichts ändern. Wichtig ist aber, dass dieser jemand nicht der einzige Maßstab ist. Die meisten, denen es nämlich gefällt, sagen das nicht so laut. Liegt möglicherweise daran, dass es vielen leichter fällt, Kritik auszusprechen, als Freundlichkeiten. Und dann sollte man natürlich ganz viel lesen, viel schreiben und sich andere Menschen suchen, die auch gern lesen und schreiben, damit man sich mit denen austauschen kann.
Wenn du einen Tag tauschen könntest, welchen Beruf würdest du gerne ausüben?
Meeresforscherin, Hochseilgartenkletterin, Hirnforscherin, Restaurantkritikerin, Bühnenbildnerin im Theater, … es gibt einfach so viele tolle Berufe auf dieser Welt.
Welchen magischen Duft würdest Du gern einmal erfinden?
Den „Duft des Mitgefühls“ oder das „Empathische Odeur“. Ich glaube unsere Welt könnte diese beiden Düfte dringend gebrauchen.