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 Blogeintrag #4

 

Also, meine kleine Schwester Chanell, ne? Eigentlich wollte ich in meinem Blog nie, nie, niemals im Leben was über sie schreiben. Weil sie nämlich immer nur rumnervt – und in den letzten Tagen sogar ganz besonders doll.

Und zwar ist ja bald Fasching und ihre Klasse macht am Tulpenmontag (oder wie das heißt) eine Party. Mit Verkleiden, na klar, das ist ja das Wichtigste dadran. Und Chanell will unbedingt als Coco, der Affe gehen. Das ist eine Fernsehsendung, die sie voll gut findet.

„Coco ist sooo süß“, jammert sie den ganzen Tag und dann erzählt sie zum tausendsten Mal, dass sie unbedingt das Affenkostüm haben will, das sie im Internet gefunden hat. Aber das ist krass teuer. Und dabei weiß sie ja ganz genau, dass Mami nicht so viel Geld hat. Ich mein: Ich krieg nicht mal neue Wimperntusche oder ‘ne Handyhülle mit Glitzer, obwohl sowas viel wichtiger ist als ein Affenkostüm. Weil: Solche Sachen braucht man ständig und nicht nur einmal im Jahr.

„Du kannst dich nackig ausziehen und dann male ich dir mit ‘nem braunen Filzstift Affenhaare auf“, hab ich vorgeschlagen, aber da hat Chanell geschrien, dass ich pupsstinkeblöd bin. Mann, ey, voll bockig, die kleine Kröte.

„Zieh doch noch mal das Molly May, die kleine Prinzessin-Kleid an“, hat Mami schon am Wochenende zu ihr gesagt. Aber Chanell hat sich bloß auf den Boden geschmissen und rumgewälzt und geheult. Echt sooo nervig.

Obwohl, so ein kleines bisschen kann ich Chanell auch verstehen. Weil, nämlich, sie ist schon letztes Jahr als Molly May gegangen. Und vorletztes auch. Und ich glaub auch vor-vorletztes. Deshalb ist das Kleid inzwischen so eng, dass sie dadrin aussieht wie Wurst in Pelle. Und außerdem sind da Flecken drauf, Schoki oder so.

Ich fand Fasching früher in der Grundschule übrigens auch immer total cool. „Sooo mies, dass bei uns am Nelkenmontag ganz normal Schule ist“, hab ich geschimpft, als ich mich gestern Nachmittag mit meiner besten Freundin Lotta getroffen hab, bei mir zu Hause. „Ich will auch Party machen! Mit Verkleiden und Chips und Cola und so!“ Wir waren in meinem Zimmer, das ja leider auch Chanells Zimmer ist. Zum Glück war sie aber gerade bei Mami im Wohnzimmer und hat da rumgenervt.

„Ja, das wär echt toll.“ Lotta hat geseufzt. „Als was würdest du dich denn verkleiden?“

Das wusste ich genau! „Als Shaizée!“, hab ich gerufen, weil die nämlich gerade voll meine Lieblingssängerin ist. Ich bewundere die total! Die hat einfach das beste Outfit von allen Stars und singen kann sie auch noch.

Aber Lotta hat nur komisch geguckt. Weil sie sich ja nicht so auskennt mit Sängern und Schauspielern und Promis. Darum bin ich von meinem Bett hochgesprungen und hab getanzt und ein bisschen „Sha-la-la-la-la, sha-la-la – baby!“ gesungen, weil, das ist ja das berühmteste Lied von Shaizée. Aber Lotta wusste immer noch nicht, wen ich meine.

Echt ey, Lotta! Wie kann man denn bloß so unmusikalisch sein? Da kann man ja nur den Kopf schütteln. „Und als was würdest du dich verkleiden?“, hab ich sie dann gefragt.

Lotta hat gegrinst. „Ich? Ich würde als Frau Kackert gehen.“ Da haben wir natürlich erst mal losgelacht, weil das krass komisch war!

„Hi hi hi – die beknackerte Frau Kackert! Mit ihrer blöden Brille und den blöden Haaren und den blöden Klamotten.“ Mann, bin ich froh, dass die nicht mehr unsere Klassenlehrerin ist!!! Und dann hatte ich mit einem Mal voll die gute Idee. „Eigentlich kann man sich ja als fast alles verkleiden. Wir denken uns einfach was Gutes für Chanell aus und, schwupps, hört sie auf mit ihrem ständigen Rumgejammer und Geheule wegen Coco.“

Lotta hat schon wieder gekichert. „Ich weiß schon was: Wir wickeln sie in eine Rolle Klopapier ein und dann geht sie als … Rolle Klopapier!“

„Ja, genau! Oder als Wolleknäuel. Dazu brauchen wir bloß ganz viel Wolle. Und ihren Mund wickeln wir auch ein. Damit sie endlich mal die Klappe hält.“

„Aber Wolle fusselt doch immer so“, hat Lotta gegackert.

Danach mussten wir erstmal wieder lachen. Und dann ging die Tür auf und Chanell ist reingekommen. War ja klar.

„Warum lacht ihr?“, hat sie gefragt.

„Wegen Fasching“, hab ich ihr schnell erklärt. „Pass mal auf, wir haben voll die guten Ideen für dich. Zum Beispiel, du ziehst nur gelbe Sachen an und dann gehst du als Banane. Hi hi hi!“

„Mann ey, du pupsiges Affenpoloch“, hat Chanell da gemault und böse geguckt.

Aber gerade da ist Lotta was richtig Gutes eingefallen. „Wir haben zu Hause noch ganz viele Kostüme von meinen Brüdern“, hat sie gesagt. „Davon könntest du eins anziehen.“

Lottas Brüder heißen Jakob und Simon. Sie sind Zwillinge und voll die Blödbrüder und gehen seit den Sommerferien auf die Günter-Graus-Gesamtschule, so wie wir. Aber letztes Jahr waren sie noch Grundschüler und durften sich zu Fasching verkleiden.

Also, ich fand Lottas Idee jedenfalls mega – aber meine kleine Schwester ist ja wohl mit gar nichts zufrieden! Sie hat immer noch voll das maulige Gesicht gemacht. „Ich will mich aber nicht als Junge verkleiden“, hat sie dann losgejammert. „Jungs sind voll doof und immer ääärgern die!“ Sowas von nervig, aber echt!

Ich hab extra laut gestöhnt. „Mann, ey, Chanell, du sollst dich doch gar nicht als Junge verkleiden! Aber Jakob und Simon haben voll die coolen Kostüme! Zum Beispiel … zum Beispiel …“

„Astronaut!“, hat Lotta gerufen.

„Astronauten sind Jungs!“, hat Chanell geheult und ist so schlabberig auf den Boden gesunken, als wären ihre Beine aus Wackelpudding. Dann hat sie sich auf dem Teppich hin und her gewälzt.

„Quatsch, ey!“ Also, so langsam bin ich echt stinkesauer geworden! „Klar können Mädchen auch Astronaut werden. Aber natürlich nur die allercoolsten Mädchen. Die werden auch … Feuerwehrfrau und Polizeifrau!“

„Ja, genau!“ Lotta hat genickt. „Und … und Pilotin. Und Cowgirl und Superheldin und so. Das können Mädchen genauso gut wie Jungs.“

Da hat Chanell aufgehört mit Wälzen und auch nicht mehr geheult. Sie hat sogar so ausgesehen, als würde sie überlegen und das kommt bei Chanell ja eher selten vor.

„Wir können zu mir nach Hause gehen und dann guckst du dir die Kostüme an“, hat Lotta gesagt.

Und genau das haben wir gemacht. Schneller als sonst sind wir zu Lotta gerannt, weil wir alle voll Bock auf Verkleiden hatten. Weil, sowas mag man nämlich nicht nur, wenn man in die Grundschule geht. Und es war auch mega lustig!

Chanell hat ganz viele Kostüme von den Jungs anprobiert und Lotta und ich haben uns als Hippies verkleidet. Und als Lehrer und als Kaktus und als Stehlampe. Und dann mussten wir erstmal wieder voll lachen.

 

Ach ja, und wisst ihr, als was Chanell jetzt am nächsten Montag zum Fasching geht?

Tadaaa: Als Coco, der Affe!

Und zwar, wir waren gestern auf dem Rückweg noch bei Rudis Resterampe neben dem Sparkauf. Und da gab’s voll die billigen Affenmasken aus Plastik. Wir haben eine gekauft und dann hat Chanell zu Hause eine schwarze Legging angezogen und einen schwarzen Wollpullover von Mami. Der war krass flauschig und natürlich viel zu groß für die kleine Kröte. Deshalb waren die Ärmel auch mega lang. Fast hingen die auf dem Boden. Das hat echt total nach Äffchen ausgesehen!

Chanell hat die ganze Zeit „hu-hu-hu“ gemacht und ist auf unseren Möbeln rumgeklettert und Mami und ich haben gelacht. Jedenfalls so lange, bis ein Bilderrahmen von der Kommode gefallen ist mit einem Foto von Oma Rita drin. Der war dann anschließend kaputt. Und Oma Rita hat blöd geguckt, da unten auf dem Teppich.

Aber egal. Ich fand es jedenfalls total gut, dass Chanell jetzt doch noch ein Affe sein konnte. Meinetwegen kann sie auch gerne so bleiben – auch nach Fasching, mein ich. Weil, das sieht echt süß aus. Und vor allem redet sie dann nicht immer so viel Unsinn, sondern macht nur voll die niedlichen Affengeräusche.

Hu-hu-hu!