Julies Tagebuch - Schlimmer geht's immer

Julie - Schlimmer geht's immer

Interview

Julie und Schneewittchen erzählt von der 12,3/4-jährigen Julie, die auf turbulente Art und Weise mit all den Höhe- und Tiefpunkten des Lebens zu kämpfen hat. Frau Düwel, wie sind Sie auf die Idee zu Julie gekommen?

Julie ist ein Stück von mir und insofern war die Geschichte schon immer in mir drin, ich musste nur den richtigen Moment zum Aufschreiben finden. Das war gar nicht so einfach, denn Zeitnot ist quasi mein zweiter Vorname, was daher kommt, dass ich immer ganz viele Sachen toll und spannend finde und mich deshalb leicht in der Welt mit ihren tausend Möglichkeiten verzettele. Bei jedem Kuchenrezept denke ich, oh, den würde ich gerne backen, nach jedem Reisebericht, den ich lese, würde ich am liebsten gleich die Koffer packen, und bei jeder Ungerechtigkeit, die mir über den Weg läuft, rege ich mich so auf, dass ich am liebsten sofort eine Bürgerinitiative gründen will.
Zum Glück ist Julie mir da ziemlich ähnlich. Irgendwie glaube ich sowieso, dass es uns Erwachsenen gut tun würde, unserem zwölfjährigen Alter Ego mehr Platz im Leben zu geben. Versucht es mal – bei einigen arg verknöcherten Erwachsenen ist es natürlich schwierig, aber gerade bei denen lohnt es sich oft am meisten, genauer hinzugucken. Und wer weiß, vielleicht entdeckt man dann hinter der Fassade des strengen Schulleiters den pickligen Zwölfjährigen, der glühend in die rothaarige Lisa aus der ersten Reihe verschossen war?

Eine Achterbahn der Gefühle – das durchlebt Julie Tag für Tag. Hand aufs Herz – Haben Sie selbst mal ein uraltes Ponynachthemd gehabt und damit im Garten des Nachbarsjungen gestanden?

Als ich fünf war, wollte ich unseren Nachbarsjungen heiraten. Er hieß Martin und wir saßen stundenlang unter der elektrischen Eisenbahn seines Vaters im Hobbykeller auf einer Luftmatratze. Alles war hochromantisch. Leider beschloss er mit sechs, später Bauer zu werden, während ich unbedingt Lehrerin werden wollte – Grund für eine tiefe Krise. Irgendwie waren wir beide der Überzeugung, Lehrerin und Bauer passe nicht zusammen, aber keiner wollte für den anderen auf seinen Berufswunsch verzichten – also haben wir beide uns nächtelang in den Schlaf geheult, während unsere Eltern uns für bekloppt erklärten. Ob ich damals ein Ponynachthemd anhatte, erinnere ich nicht mehr, und alle nachfolgenden Nachbarsjungen waren leider nicht sonderlich prickelnd, aber eines weiß ich ganz genau: Wenn die große Liebe kommt, dann entdeckt sie einen auch in einem ultrahässlichen Ponynachthemd!

Unsere Leser interessieren sich sehr dafür, wer hinter Franca Düwel steckt – was sind denn Ihre Höhepunkte und Tiefpunkte?

Mein absoluter Höhepunkt: Ein ausgedehntes Frühstück mit einer gutgelaunten Tochter 1, die sich NICHT mit einer ständig ihren Kakao umschmeißenden Tochter 2 streitet, dazu ein entspannter Göttergatte, der NICHT darüber meckert, dass seine Bürste schon wieder aus dem Badezimmer verschwunden ist. Das Ganze garniert mit absolut gar keinen Terminen, viel Sonne, toller Musik von Pink oder Jan Delay, einem riesigen Eisbecher am Vor- und einem Strandausflug am Nachmittag.

Mein hassenswertester Tiefpunkt: Zwei Tage vor Weihnachten – es regnet in Strömen und ich will in einem Anfall von Perfektionswahn endlich all das machen, was ich vorher nicht geschafft habe. Während meine beiden Töchter mich also etwas verstört betrachten, backe ich Plätzchen, bei denen die Hälfte der Zutaten fehlt, fordere peinlich berührte Zwölfjährige zum Absingen noch peinlicherer Weihnachtslieder auf, entzünde Duftkerzen, die den Vater meiner Töchter knapp an einem allergischen Schock vorbeischrammen lassen, fackele dank falsch installierter Lichterketten fast das Haus ab und breche anschließend in Tränen aus.

Was sehen Sie, wenn Sie an dem Ort, an dem Sie Julies Abenteuer niedergeschrieben haben, aus dem Fenster blicken?

Zwei uralte Bäume, ganz viele Blumen, ein Maisfeld und, wenn ich Glück habe, einige Rehe.

Julie ist Ihr erster Roman. Sie haben viele Drehbücher für Fernsehserien und Filme geschrieben und sind damit schon lange vor dem Bücherschreiben erfolgreich. Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen dem Roman- und dem Drehbuchschreiben?

Bei einem Roman kann man viel mehr in die Innenwelt seiner Figuren eintauchen, das ist herrlich! Fürs Drehbuch gilt: „Show, don’t tell!“ Du kannst die Figuren nur durch das charakterisieren, was sie tun, also wie sie sich in (Ausnahme-) Situationen verhalten. Was sie denken, bleibt dir verborgen, das kann der Zuschauer nur erahnen. Als halbwegs guter Drehbuchautor kannst du eine Figur, die sich z.B. vor Tunneln ängstigt, unmöglich sagen lassen:„Oh, ich hab ja solche Angst vor Tunneln!“
(Es sei denn, du willst unbedingt die silberne Himbeere für den schlechtesten Film aller Zeiten gewinnen!) Stattdessen suchst du eine Situation, in der du deine Figur im Tunnel zeigst, d.h. du bringst sie in genau die Situation, in der sie am wenigsten sein will, dann hat der Schauspieler auch was zum Spielen und muss seinen Text nicht nur aufsagen.
Und: Einen Film zu drehen ist teuer. Das heißt, wenn ich einer Filmproduktionsfirma eine Geschichte anbiete, die von einem Mädchen aus Sri Lanka handelt, das in Australien eine Bank ausraubt und dann nach Amerika zieht, wo sie sich in Brad Pitt verliebt und mit ihm Nord-Korea befreit, wird mir mein Produzent wahrscheinlich einen Vogel zeigen. Dreharbeiten in Australien und Amerika sind nämlich teuer (allein schon die Flugkosten) und Brad Pitt ist sowieso unbezahlbar. Als Buch wäre das hingegen durchaus möglich. Das ist das Glorreiche daran – alles, wirklich alles ist im Buch erlaubt. (Ob’s dann auch gedruckt wird, ist natürlich die zweite Frage ...)

Julie-Hörbücher - gelesen von Josefine Preuß

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